Vernetzte Mobilität steht für das Zusammenspiel verschiedenster Verkehrsmittel – von Auto über ÖV, Velos bis E-Scooter –, die über digitale Schnittstellen miteinander kommunizieren. Dank Datenaustausch in Echtzeit können Verkehrsflüsse effizienter gesteuert, Emissionen reduziert und Staus vermieden werden.
Herzstück sind sogenannte Cooperative Intelligent Transport Systems (C-ITS). Diese vernetzen Fahrzeuge, Infrastruktur und Nutzer über drahtlose Kommunikation und standardisierte Protokolle. So werden z. B. Informationen zu Stauenden, Baustellen oder Wetterbedingungen unmittelbar übermittelt.
Die Kommunikation erfolgt über:
- V2V – Vehicle-to-Vehicle,
- V2I – Vehicle-to-Infrastructure,
- V2X – Vehicle-to-Everything (z. B. auch zu Velos und Fussgängerinnen).
Grundlagen der Vernetzung und C-ITS
Sicherheit und Datenschutz sind zentrale Voraussetzungen für vernetzte Mobilität. Systeme müssen nicht nur effizient funktionieren, sondern auch vor Cyberangriffen geschützt und datenschutzkonform betrieben werden.
Wichtige Punkte:
- Cybersecurity: Authentifizierung, verschlüsselte Kommunikation und vertrauenswürdige digitale Identitäten (Public Key Infrastructure).
- Datenschutz: Nur notwendige Daten, möglichst anonymisiert (z. B. Pseudonymisierung von Fahrdaten), Transparenz für Nutzerinnen und Nutzer.
- Privacy by Design: Datenschutz und IT-Sicherheit werden von Beginn an mitgedacht – von Datensparsamkeit bis hin zu sicheren Software-Updates.
Pilotprojekte zur vernetzten Mobilität
Pilotprojekte sind zentral, um neue Lösungen im realen Verkehr zu testen – wissenschaftlich begleitet und mit konkretem Nutzen für den Alltag. Mit Hilfe von Floating Car Data (FCD) – Bewegungsdaten aus Fahrzeugen können Verkehrsinformationen gewonnen werden.
Beispiele dieser Pilotprojekte:
Stauendewarnung (Basel 2021–2023):
Die Auswertung von über 4000 Fahrten zeigt: Die Technologie zur Warnung von Automobilisten vor stehenden Kolonnen ist grundsätzlich praxistauglich, auch wenn derzeit noch technische Hürden bleiben.
Reisezeitinformationen (laufend):
In mehreren Projekten wurden aktuelle, vergleichbare Reisezeiten erfasst und aufbereitet, um die Routenwahl zu erleichtern. Dazu werden z.B. kleine Geräte (Dongles) in einigen Fahrzeugen eingebaut und liefern anonymisierte Daten zu Position, Geschwindigkeit und Fahrverhalten oder Bluetooth-Sensoren an Strassen erfassen Bewegungsmuster, Reisezeiten und Verkehrsflüsse – anonymisiert, einfach und effizient. Dabei werden Bewegungsprofile weder aufgenommen noch gespeichert. Ziel ist es, dass diese Verkehrsinformationen zukünftig für eine verbesserte Routenwahl zur Verfügung stehen, sowie zur optimierten Steuerung des Verkehrs genutzt werden können.
Eine Möglichkeit aktuelle Informationen zur Verkehrssituation zu erhalten, lief über sogenannte Dongles. Bei diesem Pilotvorhaben wurden kleine elektronische Geräte – sogenannte Dongles – in Fahrzeugen eingesetzt, um Daten zu erfassen und zu übertragen. Diese Dongles sammelten Informationen wie Geschwindigkeit, Position (GPS), Fahrverhalten oder Fahrzeugstatus.
Dadurch konnten anonymisierte Bewegungs- und Verkehrsdaten von einer möglichst grossen Anzahl privater Fahrzeuge gewonnen werden, um beispielsweise:
- den Verkehrsfluss zu analysieren,
- Reisezeiten zu berechnen,
- Stauenden zu erkennen,
- das Verkehrsmanagement zu optimieren.
Der Vorteil des Einsatzes von solchen Dongles liegt darin, dass die benötigten Daten unabhängig von der Fahrzeugmarke und ohne aufwendige Integration direkt aus dem Fahrzeug gewonnen werden können. Die gesammelten Daten wurden ausgewertet und für verschiedene Zwecke im Verkehrsmanagement oder für Forschungsprojekte genutzt.
Mit einem weiteren zur Zeit laufenden Projekt werden Daten zum aktuellen Verkehrsfluss durch die anonymisierte Detektion von Bluetooth-Geräte erfasst und ausgewertet. Dabei werden Bluetooth-Sensoren entlang von ausgewählten Autobahnabschnitten installiert.
Mögliche künftige Anwendungsbereiche sind hier
- Reisezeitinformation: Die gesammelten Daten ermöglichen es, aktuelle Reisezeiten auf bestimmten Streckenabschnitten zu ermitteln und diese Informationen in Echtzeit an Verkehrsteilnehmende weiterzugeben.
- Analyse von Verkehrsströmen: Die Informationen erlauben Muster im Mobilitätsverhalten zu erkennen, etwa Stosszeiten, typische Routen oder Aufenthaltsdauern an bestimmten Orten.
Funktionsweise:
- Ein Fahrzeug oder eine Person mit aktiviertem Bluetooth-Gerät passiert einen Bluetooth-Sensor.
- Der Sensor registriert eine anonymisierte ID des Bluetooth-Geräts und den Zeitpunkt.
- Passiert dasselbe Gerät einen weiteren Messpunkt, wird die Reisezeit zwischen den Punkten berechnet.
- Die Daten werden aggregiert, um Verkehrsanalysen und Reisezeitprognosen zu erstellen.
Floating-Car-Data-Projekte sind Bausteine der vernetzten Mobilität, da sie helfen, Verkehrsdaten digital und automatisiert zu erfassen und auszuwerten. Diese Daten bilden die Grundlage für intelligente Verkehrssteuerung, die Optimierung von Verkehrsflüssen und die Verbesserung der Reiseinformation für alle Verkehrsteilnehmenden.
Rechtsgrundlagen
Der verkehrsträgerübergreifende Datenaustausch benötigt verlässliche gesetzliche Grundlagen. Mit dem geplanten Bundesgesetz über die Mobilitätsdateninfrastruktur (MODIG) will der Bund ab 2028 erstmals einen sektorübergreifenden Rechtsrahmen schaffen.
Der Bundesrat will eine nationale Mobilitätsdateninfrastruktur (MODI) aufbauen. Die MODI soll den Austausch von Mobilitätsdaten verkehrsträger- und staatsebenenübergreifend vereinfachen. Mit dem geplanten MODIG-Gesetz soll ab 2028 eine nationale, interoperable Dateninfrastruktur entstehen. Die Nutzung der MODI ist freiwillig und Vertrauen ist beim Datenaustausch zentral. Für die MODI gelten deshalb u.a. die Grundsätze des Schutzes der persönlichen Daten, der Neutralität, der Unabhängigkeit, der Offenheit und der Transparenz.
Weitere Informationen: Daten für ein effizientes Mobilitätssystem - BAV
Das ASTRA ist für die Schweiz federführend für die ITS Richtlinien und ihre delegierten Verordnungen verantwortlich. Die EU verlangt die Bereitstellung digitaler Verkehrsdaten über sogenannte National Access Points (NAP) – zunächst für Autobahnen, später für alle öffentlichen Strassen. Zwar ist die Schweiz nicht zur Umsetzung verpflichtet, aber das ASTRA beteiligt sich aktiv an diesem Prozess (NAPcore).
Einführung intelligenter Verkehrssysteme in Europa | EUR-Lex
Das neue Datenschutzgesetz (DSG, seit 2023 in Kraft) schützt die Persönlichkeit natürlicher Personen und regelt die Weitergabe von Daten ins Ausland. In der Datenschutzverordnung (DSV) und der VDSZ (Zertifizierungen) werden die entsprechenden Details geregelt.