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10.07.2005 - «Den Führerausweis auf zehn Jahre befristen»
Strassen-Chef Rudolf Dieterle über Massnahmen für mehr Sicherheit
Von Christoph Lauener, SonntagsZeitung
Herr Dieterle, Sie durften diese Woche eine erfreuliche Meldung veröffentlichen: Es gab 2004 weniger Tote und weniger Verletzte auf den Schweizer Strassen. Zufrieden?
Rudolf Dieterle: Das ist in der Tat hochgradig erfreulich. Das Unfalljahr 2004 ist statistisch das beste seit Jahrzehnten. Aber gleichzeitig müssen wir sagen, dass die Unfallzahlen nach wie vor katastrophal hoch sind. Wir haben immer noch mehr als 500 Tote, immer noch gegen 6000 schwer Verletzte. Wir müssen im gesamten Strassenverkehrsbereich weitere Verbesserungen erreichen.
Ein besonderes Problem sind die Motorradfahrer. Warum nimmt in diesem Bereich die Zahl der schweren Unfälle zu?
Ich möchte klar festhalten: Bei den Motorrädern ist der Handlungsbedarf in ganz deutlichem Ausmass gegeben. Das Risiko, auf einem Motorrad schwer oder gar tödlich zu verunfallen, lag in den letzten Jahren weiterhin auf einem unakzeptabel hohen Niveau. Warum die Entwicklung bei den Motorrädern so verläuft, prüfen wir derzeit.
25-Jährige und Ältere müssen nicht mehr auf leichten Maschinen Praxis sammeln, bevor sie auf eine schwere wechseln. Liegt hier die Ursache?
Im Moment fehlt der Nachweis für eine verbindliche Aussage. Aber: Wenn dem so wäre, müssten wir diese Regelung überprüfen. Vielleicht hat die steigende Unfallzahl auch mit dem zunehmenden Motorisierungsgrad zu tun. Grundsätzlich stellen Neulenker - egal in oder auf welchem Fahrzeug - ein höheres Risiko dar.
Im Sicherheitsprogramm Via sicura schlagen Sie vor, dass jedem Autolenker der Führerausweis nur noch befristet zugestanden wird. Können Sie heute mehr dazu sagen?
Ja. Der Führerausweis soll auf zehn Jahre befristet werden. Dann muss der Fahrzeuglenker einen Weiterbildungskurs besuchen und das auch nachweisen. Im Kurs wird er sowohl theoretisch wie praktisch auf Neuerungen im Verkehr aufmerksam gemacht. Dies geschähe alle zehn Jahre, bis er 60 ist, dann mit 65 und 70 nochmals. Ab 70 wird er dann wie bisher im Zweijahresrhythmus untersucht.
Gilt das auch für die Berufs- chauffeure?
Es gilt auch für sie, aber sie müssten alle fünf Jahre antreten, und ihre Weiterbildung wäre ausführlicher. Mit den entsprechenden Strukturen ist dieser Schulungsaufwand zu bewältigen, auch wenn pro Jahrgang mehrere Hunderttausend Leute einen Wiederholungskurs besuchen müssten.
In Via sicura plädieren Sie auch für sinnvollere Verkehrskontrollen. Sehen Sie da Mängel?
Kontrollen müssen dort durchgeführt werden, wo sie effektiv nötig und für die Sicherheit relevant sind. Zudem müssen sie in der nötigen Dichte erfolgen, um präventive Wirkung zu entfalten.
Also keine Radarkontrollen auf Geraden, um möglichst viel Bussen zu kassieren?
Auf einer geraden Autobahnstrecke kann eine Kontrolle etwas zu einem sicheren Verkehrsfluss beitragen. Aber es ist aus Sicht der Verkehrssicherheit wohl effektiver, zum Beispiel an einer Kreuzung innerorts das Verhalten der Autofahrer gegenüber dem Langsamverkehr zu kontrollieren.
Ihr Aktionspaket ist nicht gratis. Einzelne Bundesräte leisten schon Widerstand.
Es ist heutzutage nicht erstaunlich, wenn über eine Investition von jährlich 300 Millionen Franken ausgiebig diskutiert werden muss. Via sicura macht jetzt einfach noch eine Zusatzschlaufe. Vielleicht lassen sich noch gewisse Optimierungen finden. Beim Blick auf die notwendigen Ausgaben darf man aber den hohen, deutlich über den Kosten liegenden volkswirtschaftlichen Nutzen von Via sicura nicht aus den Augen verlieren.
Und wenn der Bundesrat die Mittel zusammenstreicht? Können Sie das Ziel - maximal 300 Tote und 3000 schwer Verletzte bis 2010 - erreichen?
Wir sind schon jetzt zeitlich sehr knapp drin; es wird so oder so sehr schwierig. Es werden ja auch Gesetzesänderungen nötig. 2010 ist in der Tat ein sehr sportliches Ziel.
Falls weniger Geld kommt, reicht es nicht?
Die Korrelation ist klar: weniger Geld - weniger Wirkung.
Und mehr Tote?
So ist es. Darum tun wir alles, um zu zeigen, dass diese Investition sich lohnt.
Aktuell ist auch die Ozonbelastung. Was halten Sie von Temporeduktionen auf Autobahnen, wie sie in den Kantonen immer wieder diskutiert werden?
Kurzfristig verfügte Geschwindigkeitsreduktionen bringen objektiv gesehen nicht viel und auf kurze Distanzen verfügt praktisch nichts. Bei der Ozonproblematik muss man ganzheitlich ansetzen.
Herr über die Strassen
Der 55-jährige Basler Bauingenieur Rudolf Dieterle ist seit gut einem Jahr Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra). Zuvor war er Oberingenieur des Kantons Bern. Dieterle (parteilos) ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern.
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