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Bern Weyermannshaus - Schönbühl


Ausgangslage

Auf der Autobahn zwischen Bern Weyermannshaus und Schönbühl verkehren heute täglich  100'000 Fahrzeuge. Bis ins Jahr 2030 wird dieser Verkehr um weitere 20% zunehmen. Ohne entsprechende Massnahmen wird es täglich während ein bis zwei Stunden zu Überlastungen mit Staus oder stockendem Verkehr kommen. Von diesen Behinderungen wird in erster Linie der Verkehr aus der Stadt Bern und den umliegenden Gemeinden betroffen sein. Während der Spitzenverkehrszeiten macht dieser nämlich im Raum Bern etwa drei Viertel des Verkehrs auf den Autobahnen aus.

Zur Beseitigung dieses Engpasses hat der Bundesrat im ersten Programm zur Beseitigung der Engpässe im Nationalstrassennetz die Ergänzung der bestehenden Autobahn mit je einem Fahrstreifen pro Richtung vorgeschlagen. Der damit verbundene Bau eines zweiten Felsenauviadukts ist seitens des Kantons, der Stadt Bern und der direkt betroffenen Bevölkerung auf massiven Widerstand gestossen. Anstatt die bestehende Autobahn auszubauen, haben Kanton und Stadt Bern den Bau einer neuen Autobahnverbindung nördlich von Bern, den Bypass Bern Nordwest, verlangt.

In Anbetracht dieser Ausgangslage hat das ASTRA entschieden, die bisherigen Untersuchungen von Bund und Kanton Bern zu vertiefen und neu zu beurteilen. Die Erarbeitung dieser Vertiefungsstudie ist in enger Zusammenarbeit mit Kanton, Region und Stadt Bern sowie den Gemeinden Zollikofen und Ittigen erfolgt. Im Rahmen von Forumsveranstaltungen konnten auch Vertreter der betroffenen Bevölkerung und regionaler Organisationen ihre Anliegen einbringen.

Vorgehen

Zu Beginn der Vertiefungsstudie wurde das ganze Lösungsspektrum für die Beseitigung des Engpassproblems aufgezeigt, beurteilt und stufenweise reduziert. Die verbliebenen vier Varianten wurden weiter vertieft und anschliessend bezüglich ihrer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Wirkung umfassend bewertet und dem Referenzzustand gegenüber gestellt:

  • Variante "Ausbau" (460 Millionen Franken): Durchgehende Fahrstreifenergänzung längs der bestehenden A1 zwischen Weyermannshaus und Schönbühl.

  • Variante "Bypass" (3'760 Millionen Franken): Neue Verbindung mit zwei, je rund acht Kilometer langen Tunneln von Weyermannshaus bis Grauholz als Ergänzung zum bestehenden Nationalstrassennetz.

  • Variante "Kombination" (230 Millionen Franken): Teilausbau der bestehenden A1 mit durchgehenden Fahrstreifenergänzungen zwischen dem Wankdorf-Dreieck und der Verzweigung Schönbühl, ergänzt mit flankierenden, betrieblichen Massnahmen.

  • Variante "Verzicht" (10 Millionen Franken): Verzicht auf bauliche Ausbaumassnahmen,  betriebliche Massnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses auf der A1.

Erkenntnisse

Aus den Bewertungsrunden konnten folgende Erkenntnisse gewonnen werden:

  • Die Varianten "Ausbau" und "Bypass" lösen den Engpass auf der A1 im Norden von Bern durchgehend und sind technisch machbar.

  • Bei den Varianten "Verzicht" bzw. "Kombination" wird der Verkehrsfluss auf der A1 mittels Verkehrsmanagementmassnahmen verbessert und soweit möglich aufrecht er­halten. Der Engpass wird jedoch nicht durchgehend beseitigt. Die Kombinationsvariante löst aber zumindest den gravierenderen Engpass im Abschnitt Grauholz.

  • Bei den beiden Varianten "Ausbau" und "Bypass" ist ein Halbanschluss Grauholz sowohl möglich wie auch zur Entlastung der Ortsdurchfahrten von Ittigen und Zollikofen sinnvoll. Demgegenüber muss bei den Varianten "Verzicht" und "Kombination" auf den Halbanschluss Grauholz verzichtet werden. Er würde auf der A1 Mehrverkehr generieren und den ungelösten Engpass zusätzlich verschärfen. Ein Vollanschluss Grauholz wurde insbesondere wegen des Risikos von unerwünschtem Schleichverkehr durch Ittigen und Zollikofen nicht weiter verfolgt.

  • Bei der Variante "Ausbau" muss der Felsenauviadukt verbreitert oder durch einen zweiten Viadukt ergänzt werden. Beides lehnen Kanton und Stadt Bern strikt ab.

  • Die Bypassvariante ist mit rund 3,76 Milliarden Franken sehr teuer ohne gegenüber der Ausbauvariante namhafte Mehrwerte zu generieren. Entsprechend schlecht ist die Kosten-Wirksamkeit dieser Variante. Hinzu kommt, dass die Bypassvariante wegen des starken Längsgefälles zur Unterquerung der Aare auch sicherheitstechnisch nicht optimal ist. Diese Variante ist für den Bund volkswirtschaftlich nicht vertretbar.

Ergebnisse

Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse aus der Vertiefungsstudie haben sich Bund, Kanton, Stadt und Region im Norden von Bern darauf geeinigt, die Variante "Kombination" weiter zu verfolgen.

Variante K, Kombination:

Bern Schönbühl-Weyermannshaus: "Variante K Kombination"nuovo finestra
Bern Schönbühl-Weyermannshaus: "Variante K Kombination" Bern Schönbühl-Weyermannshaus: "Variante K Kombination"

Bei der Variante "Kombination" wird der gravierendere Engpass zwischen dem Wankdorf-Dreieck und der Verzweigung Schönbühl durch den Ausbau der bestehenden A1 auf je vier Fahrstreifen pro Richtung behoben. Hingegen wird auf den Ausbau des Abschnitts westlich des Wankdorf-Dreiecks verzichtet. Damit entfällt die politisch umstrittene Erweiterung des Felsenauviadukts. Auf diesem Abschnitt wird der Verkehrsfluss auf der Autobahn mit grossräumigen Verkehrsmanagementmassnahmen wie Dosierung des Verkehrs an den Anschlüssen soweit möglich aufrecht erhalten. Damit bleibt das Engpassproblem teilweise bestehen, was während der Verkehrsspitzenzeiten zu vermehrten Ausweichverkehren auf das lokale Strassennetz und zu längeren Reisezeiten führen dürfte. 

Als Folge dieses Variantenentscheids  muss auch auf den - insbesondere von den Gemeinden Zollikofen und Ittigen geforderten - neuen Halbanschluss Grauholz verzichtet werden. Er würde die weiterhin bestehende Engpassproblematik westlich des Wankdorfdreiecks zusätzlich verschärfen.

Die Kosten für die Variante "Kombination" belaufen sich auf rund 230 Millionen Franken. Darin sind auch Anpassungen auf der A6 bis zum Anschluss Schönbühl enthalten.

Weiteres Vorgehen

Die Variante "Kombination" wird im Rahmen der zweiten Programmbotschaft zur Beseitigung der Engpässe im Nationalstrassennetz den gesamtschweizerischen Projekten gegenübergestellt und neu priorisiert. Gestützt darauf werden die eidgenössischen Räte ­ voraussichtlich im Jahr 2014 - darüber entscheiden, welche Projekte in einer nächsten Tranche finanziert und zum Bau frei gegeben werden. Dabei werden Kosten/Nutzen-Überlegungen und die verfügbaren finanziellen Mittel eine wichtige Rolle spielen. In der Zwischenzeit wird das ASTRA das Projekt weiter konkretisieren und die Optimierung der Anschluss- und Verzweigungssituation in Schönbühl vertiefen.

Auch die Verbesserung der verkehrlichen Verhältnisse auf dem verbleibenden Engpass auf der A1 im Raum Bern wird das ASTRA an die Hand nehmen. Die dafür nötigen Verkehrsmanagementmassnahmen wie die Dosierung der Autobahneinfahrten werden bereits kurzfristig geplant, mit dem Verkehrsmanagementkonzept der Region abgestimmt und vorgezogen umgesetzt.


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