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A8 Massnahmen für die Tunnelsicherheit im Berner Oberland

Die Brandkatastrophen im Mont-Blanc-Tunnel 1999 und im Gotthardtunnel 2001 haben im Bereich Tunnelsicherheit einiges ins Rollen gebracht. Heute gelten strenge europäische Sicherheitsstandards. In der Schweiz müssen vor allem ältere Nationalstrassentunnels diesen Standards angepasst werden. In den Tunnels der A8 am linken Brienzerseeufer sind bereits entsprechende Massnahmen umgesetzt worden, weitere sind geplant. Auch der Leissigentunnel wird in den nächsten Jahren sicherheitstechnisch aufgerüstet.


Allein auf dem Nationalstrassennetz des Kantons Bern sind heute 28 ein- oder zweiröhrige Tunnels mit einer Gesamtlänge von 24 km in Betrieb. Ein grösserer Teil dieser Tunnels erfüllt die strengen europäischen Sicherheitsstandards derzeit noch nicht vollumfänglich. Die Tunnelbauten werden daher sukzessive den neuen Standards angepasst. Priorität haben Tunnels mit hohem Verkehrsaufkommen und entsprechend höherem Unfallrisiko. Aufwändige bauliche Massnahmen sind bei den Fluchtwegen und Lüftungssystemen notwendig.

Vorrang haben Sicherheitsvorkehrungen, die im Katastrophenfall die Selbstrettung sowie die Betreuung und den Abtransport der Verkehrsteilnehmer ermöglichen. Dazu gehören optische Leiteinrichtungen mittels Leuchten an den seitlichen Banketten, gut sichtbare Fluchtwegtüren und Hinweistafeln. Bei einröhrigen Tunnels müssen zusätzliche Stollen gebaut werden, die als Fluchtweg dienen können. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

Die Stollen führen entweder rechtwinklig von der Röhre weg ins Freie (Fluchtstollen), oder sie werden parallel zur Tunnelröhre errichtet (Sicherheitsstollen). Massgebend für die Entscheidung, welche Variante gebaut wird, ist unter anderem die Länge des Tunnels und die Topografie der Umgebung. Die Sicherheitsstandards sehen vor, dass ca. alle 300 Meter ein Fluchtweg aus der Tunnelröhre besteht, entweder als Fluchtstollen oder als Durchgang in einen Sicherheitsstollen.

A8 Brienzersee
Am linken Brienzerseeufer wurden in den letzten Jahren bereits verschiedene dringliche Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit realisiert. Diese betreffen unter anderem die Einsatzplanung der Sicherheitskräfte sowie verschiedene Sanierungsarbeiten. Zudem wurde der Notausgang des Giessbachtunnels aufgerüstet.

In den kommenden Jahren werden aufwendige bauliche Massnahmen zur weiteren Optimierung der Tunnelsicherheit ergriffen. Die beiden längeren Tunnels Giessbach (3341 m) und Chüebalm (1322 m) werden mit Sicherheitsstollen ausgestattet, die parallel zur Hauptröhre verlaufen. In regelmässigen Abständen werden zwischen Haupttunnel und Sicherheitsstollen Querverbindungen ( = Notausgänge) errichtet; diese gewährleisten im Ereignisfall einerseits die Fluchtmöglichkeiten, andererseits den Zugang der Rettungskräfte. Dem gleichen Zweck dient der Fluchtstollen, mit dem der vergleichsweise kurze Senggtunnel (864 m) ausgestattet wird; der Fluchtstollen wird von der Tunnelmitte aus als Querstollen ins Freie führen.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Sanierung der Tunneldecke im Giessbachtunnel im Rahmen eines sogenannten Erhaltungsprojekts. Die bisherige Tunnellüftung entspricht nicht den geltenden Normen und muss deshalb verstärkt werden. Der Luftsog wäre künftig so stark, dass die Zwischendecke Schaden nähme. Sie muss deshalb ersetzt werden. Mit der Sanierung der Tunneldecke ist aus diesem Grund ein sehr grosser Gesamtaufwand verbunden.

Der Bau der Sicherheits- bzw. Fluchtstollen auf der A8 entlang des Brienzersees wird Anfang 2014 aufgenommen und voraussichtlich Ende 2016 vollendet. Das Erhaltungsprojekt wird im Frühjahr 2017 gestartet und voraussichtlich Ende 2021 abgeschlossen.

A8 Leissigentunnel

Der 2,2 km lange Leissigentunnel muss ebenfalls sicherheitstechnisch aufgerüstet werden. Geplant ist ein Sicherheitsstollen, der bergseitig parallel zur Tunnelröhre verläuft. Die Ausgänge werden sich in der Nähe der Tunnelportale befinden. Der Baubeginn ist für Herbst 2014 geplant; der Abschluss der Arbeiten ist für Ende 2016 vorgesehen.

A6 Simmenfluhtunnel

Der relativ kurze Tunnel in der Gemeinde Wimmis (Länge 610 m) wird mit einem Fluchtstollen ausgestattet, der von der Tunnelmitte rechtwinklig abzweigend zu einem Vorplatz an der Kantonsstrasse führt. Die Realisierung ist ab Herbst 2015 bis Ende 2016 vorgesehen.


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